Es gibt einen Begriff der gerade durch Bildungsberichte geistert: Digital Skills Gap. Gemeint ist die wachsende Lücke zwischen dem was digitale Tools versprechen — und dem was Lehrkräfte im Alltag tatsächlich damit anfangen können. Und nirgends zeigt sich diese Lücke so deutlich wie beim Thema KI.
Die Zahlen sind ernüchternd
51 Prozent der Lehrkräfte haben KI bereits für schulische Zwecke ausprobiert — aber 23 Prozent wollen sie danach nicht mehr nutzen. Bitkom Fast jede vierte Lehrkraft hat also eine Erfahrung gemacht die sie abgeschreckt hat. Kein Vertrauen aufgebaut. Keine Zeit gespart.
Und das obwohl das Interesse grundsätzlich da ist: Weitere 28 Prozent haben KI noch nicht ausprobiert, wollen das aber bald tun. Bitkom
Der Grund für die Frustration liegt nicht am fehlenden Willen. 62 Prozent der Lehrkräfte fühlen sich im Umgang mit KI-Tools unsicher oder sehr unsicher. Deutsches Schulportal Wer unsicher ist, tippt zögerlich. Wer zögerlich tippt, bekommt mittelmäßige Ergebnisse. Wer mittelmäßige Ergebnisse bekommt, überarbeitet alles von Hand. Und am Ende hat die KI mehr Arbeit gemacht als gespart.
Das eigentliche Problem: Tools für alle sind Tools für niemanden
ChatGPT, Gemini, Copilot — sie können Texte generieren. Aber sie kennen weder den österreichischen noch den deutschen Lehrplan. Sie wissen nicht welche Kompetenzstufen für die 8. Klasse vorgesehen sind. Sie fragen nicht nach Zweitsprache, Differenzierung oder Schulstufe. Das muss die Lehrkraft alles selbst eintippen — in langen, präzisen Prompts die erst gelernt werden müssen.
Das Angebot KI-gestützter Bildungstechnologien hat sich seit 2021 in Deutschland verdreifacht — die systematische Nutzung im Schulunterricht ist aber nach wie vor gering. Dphv Mehr Tools bedeutet mehr Chaos — und mehr Orientierungslosigkeit für Lehrkräfte die ohnehin schon unter Zeitdruck stehen.
Laut einer KPMG-Studie belegt Deutschland bei umfassenden KI-Kompetenzen lediglich Platz 46 von 47 untersuchten Ländern. Dphv Das ist kein Versagen der Lehrkräfte. Das ist ein Systemversagen.
Was wirklich fehlt
Befragte Lehrkräfte, die bereits KI nutzen, verwenden sie größtenteils für die Erstellung von Aufgaben (58 Prozent) und zur Unterrichtsplanung (56 Prozent) — seltener für individualisierte Lernangebote (28 Prozent). Deutsches Schulportal Das zeigt: Dort wo KI am einfachsten einzusetzen ist, wird sie genutzt. Dort wo sie den größten pädagogischen Mehrwert hätte, fehlt das Vertrauen.
57 Prozent der Lehrkräfte sehen in KI eine wertvolle Unterstützung — aber nur wenn sie gezielt für individuelle Förderung eingesetzt wird. Deutsches Schulportal Das ist der Schlüssel. Nicht KI für alles. KI die versteht was im konkreten Klassenzimmer gebraucht wird.
Was Lehrkräfte brauchen — und was sie nicht brauchen
Eine Lehrkraft die Freitagmittag noch einen Test für Montag braucht — mit Bloom-Stufen, Punkteverteilung, Lösungsvorschlägen, lehrplankonform — hat keine Zeit für Prompt-Engineering. Sie braucht kein neues Tool das sie wochenlang einarbeiten muss.
Sie braucht eines das einfach fragt: Welches Thema? Welche Schulstufe? Zweisprachig?
Und dann liefert.
Der Digital Skills Gap schließt sich nicht durch mehr Tools. Er schließt sich durch bessere.
Quellen: Bitkom-Studie 2024, Deutsches Schulbarometer 2025 (Robert Bosch Stiftung), Trendmonitor KI in der Bildung 2025 (Deutsche Telekom Stiftung/KPMG)