Deutschland braucht bis 2035 zwischen 49.000 und 76.000 zusätzliche Lehrkräfte

Eine Zahl, die so niemand erwartet 

Bis 2035 fehlen in Deutschland nach Modellrechnungen der deutschen Kultusministerkonferenz KMK zwischen 49.000 und 76.000 Lehrkräfte. Bis 2032 werden 600.000 zusätzliche Kinder ins Bildungssystem kommen. In anderen Ländern wie Österreich sieht es ähnlich aus. Lehrerforen laufen Sturm, denn viele erinnern sich noch an die Empfehlung der 2000er Jahre, doch bitte keinen Lehrerberuf zu ergreifen. Denn es gäbe zu viele Lehrer und langfristig dafür zu wenig Posten. Sogar entsprechende Briefe seien damals an die einzelnen Haushalte und Abiturienten vom Bildungsministerium versandt worden.

Die essentielle Frage ist heute – zwanzig Jahre später – jedoch nicht mehr: Brauchen wir mehr Lehrer:innen? Diese Frage kann mit den obigen Zahlen wahrscheinlich eindeutig mit Ja beantwortet werden. Die Frage ist: Was tun wir mit den Lehrer:innen, die da sind.

Die OECD hat in ihrer aktuellen TALIS-Erhebung gemessen, wie Lehrkräfte in 48 Ländern ihre Arbeitszeit verbringen. Das Ergebnis: Im Durchschnitt fließen 40 Prozent der Arbeitsstunden nicht in den direkten Unterricht. Sie gehen in Dokumentation, Berichte, Compliance, Vor- und Nachbereitung, Differenzierung, Elternkommunikation, Korrekturen.

Was wirklich hilft: Systeme zur Unterstützung vor und nicht in der Klasse

Genauer betrachtet ist das „Kerngeschäft“ eines Lehrers der Unterricht. Bleiben wir dabei. Eine differenzierte Unterrichtsstunde für eine Klasse braucht geschätzt:

 

    • Individuelle, der Klasse und Situation angepasste Recherche und Stoffauswahl: 20-30 Minuten

    • Anpassung an Lehrplan und Kompetenzstufen: Sollte schon vorhanden sein.

    • Differenzierung wäre wünschenswert. Dies (mal nachsehen) und Varianten für leistungsstärkere und schwächere Schüler:innen: 10-40 Minuten

    • Neue Aufgaben und Übungen selbst zusammenstellen: 20-30 Minuten

    • Mehrsprachigkeit für Klassen mit Deutsch als Zweitsprache: zusätzlich 20-30 Minuten

Aus dieser Aufstellung wird dem geschätzten Leser sicher eines klar: wenn man möchte, kann man für eine einzige Stunde die man vorbereitet auch einen ganzen Tag einsetzen. Und: eine einzige gut vorbereitete Stunde kostet realistisch zwischen 1 und 3 Stunden. Eine Woche mit 20 Unterrichtsstunden ergibt 20-60 Stunden Vorbereitung — wenn alles sauber überlegt und dokumentiert wird. Auch wenn diese Arbeit schon in den Ferien versucht wird. Man weiß im August noch nicht, was im November das spezielle Interesse der Klasse 3B sein wird.

Geht man von 20 Unterrichtsstunden aus, von 3-6 Stunden allgemeine Verwaltungs- und Organisationsarbeit (geschätzt) und dem niedriger geschätzten Ende der Vorbereitung plus circa 10-20 Stunden genereller Korrekturarbeit pro Woche (Hausis, kleine Checks, Feedback) dann landet man auch beim unteren bis mittleren Schätzungsende bei 20 + 3 + 10 + 20(?) = 53 Wochenstunden. Die nicht klar messbar und auch nicht klar dokumentierbar sind.

Und die nicht gesehen werden.

Was KI-Unterstützung praktisch ermöglicht

Studien aus 2025 und 2026 zeigen einen klaren Befund: KI-Tools sparen Lehrkräften, die sie regelmäßig nutzen, etwa 5,9 Stunden pro Woche ein. Eine Untersuchung mit 336 College-Dozenten in den USA zeigte 6,5 Stunden Zeitersparnis. Diese Stunden können die obige Last wertvoll unterstützen. Ergänzen wir die obige Aufstellung zeigen sich praktische Anwendungen:

Individuelle, der Klasse und Situation angepasste Recherche und Stoffauswahl – Die KI leistet bei Angabe des konkreten Themas die Recherche – der Lehrer kann auch mit angeben, welche Lieblingsthemen die Klasse derzeit hat oder was besonders sinnvoll wäre. Das Buch ist die Grundlage, der Lehrer variiert situationsangepasst.

Anpassung an Lehrplan und Kompetenzstufen: Detailplan zum Nachschauen und Ergänzen liegt KI gestützt vor.

Differenzierung nach Sprache und Kompetenz-Leveln von der KI integriert

Aufgaben erstellen wird danach komplett umgesetzt, kann auf Wunsch ergänzt werden und Mehrsprachigkeit unterstützen

McKinsey schätzt, dass 20 bis 40 Prozent einiger Aufgaben von Lehrkräften automatisierbar sind. Nicht der Unterricht. Nicht die Beziehung zur Klasse. Nicht das Beobachten und Erkennen. Nicht die Steuerung und die Menschlichkeit.

Eine KI für Lehrer:innen ist sinnvoll

Die skandinavischen Länder haben gerade demonstriert, dass digitale Werkzeuge im Klassenzimmer das Lernen verschlechtern können. Schüler-Tools sind nicht die Antwort auf den Lehrermangel. Die Antwort ist eine völlig andere Art KI — eine, die für die Stunden vor dem Unterricht gemacht wurde. Die Stunden nach dem Unterricht. Die Stunden, in denen Lehrkräfte aus dem Lehrplan, der Klasse und dem Thema das Material destillieren, das Schüler:innen dann in der Hand halten.

Dieses Modell hat einen Namen, der sich gerade etabliert: Teacher-First-Modell.

Was Teacher-First konkret bedeutet

Im Teacher-First-Modell ist die Lehrkraft durchgängig in der Entscheidungs- und Gestaltungsrolle. KI liefert vorbereitete Bausteine, die die Lehrkraft auswählt, anpasst, kombiniert oder verwirft. Im Klassenzimmer findet kein KI-Einsatz statt — dort findet menschliches Lernen statt.

Konkret heißt das:

Was KI tut: Themen recherchieren. Material in Sekunden differenzieren. Quiz erstellen. Aktivitäten generieren. Mehrsprachige Versionen liefern. Lehrplan-Bezüge herstellen. Bloom-Stufen einbauen.

Was die Lehrkraft tut: Entscheiden, ob das Material passt. Anpassen, wenn nötig. Im Klassenzimmer sein. Beobachten. Erklären. Beziehung gestalten. Bewerten.

Was Schüler:innen sehen, ist nicht KI. Sie sehen ihre Lehrerin oder ihren Lehrer mit einem fertigen Arbeitsblatt. Was sie nicht sehen, ist, dass dieses Arbeitsblatt in fünf Minuten entstanden ist statt in 90.

Der Wendepunkt liegt in der Methode

Die OECD-Daten und die Burnout-Forschung führen zur gleichen Konsequenz: Was Lehrer:innen wirklich unterstützt, ist nicht ein neues Konzept für den Unterricht. Es ist die Entlastung von dem, was außerhalb des Unterrichts liegt.

Die richtige Frage lautet nicht: Wie ersetze ich, was in der Schule derzeit passiert? Sondern: Wie entlaste ich Lehrkräfte, ohne in das einzugreifen, was Schüler:innen brauchen? Eine Unterstützung, die für die Arbeit vor und nach den Unterrichtsstunden effizient und vor allem inhaltlich trägt. 

Wer diese Frage richtig beantwortet, baut die Brücke, die seit zwei Jahren in jedem Bildungsbericht gefordert wird – und besser geliefert werden kann. 


Quellen: OECD TALIS 2024, Gallup/WFF 2025 zur AI-Zeitersparnis von 5,9 Stunden pro Woche, McKinsey 2024 zur Automatisierungsrate administrativer Aufgaben, Kultusministerkonferenz (KMK) Modellrechnungen 2024-2026, Forsa-Umfrage Deutsche Telekom Stiftung März 2026, Deutsches Schulbarometer 2025 (Robert Bosch Stiftung), RAND 2024 zu Burnout-Faktoren, ÖLI-UG Arbeitszeitmodell, Mark Rackles/Deutsche Telekom Stiftung 2023 zum Deputatsmodell, Ständige Wissenschaftliche Kommission der KMK 2023, Studie Arkansas State University 2026 zu AI-Zeitersparnis (336 Dozent:innen, 6,5 Stunden/Woche), Open Educat Forschungsübersicht „Reducing Teacher Burnout With AI“ 2026.