Am 8. Juli 2026 wartete das Statistische Bundesamt (Destatis) mit spannenden Details zum Thema Bildungslandschaft auf. Die Daten aus 2024/25 zeigten, dass ein bedeutender Anstieg von Quereinsteigern in den allgemeinbildenden Schulen zu verzeichnen ist. Mehr als jede zehnte Lehrkraft wies mit 11,2% im Rahmen der Erhebung keine anerkannte Lehramtsprüfung auf. Zehn Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 4,3 %.Â
Vor allem an bestimmten Schulformen ist der Quer- und Seiteneinstieg heute Alltag. An beruflichen Schulen liegt der Anteil mit 16,7 % noch deutlich höher als an allgemeinbildenden – hier unterrichtet rund jede sechste Lehrkraft ohne klassische Lehramtsausbildung. Eine weitere Studie belegt den beachtenswerten Trend auch in den MINT-Fächern. Hier ist die Quote besonders hoch: Laut Deutschem Schulportal 2025 erreichte sie in Physik 24 %, in Chemie rund 20 %, in Mathematik gut 12 %. Und der Bedarf bleibt: Laut Kultusministerkonferenz (Modellrechnung vom Februar 2025) fehlen bis 2035 rund 49.000 ausgebildete Lehrkräfte.
Weder für die bundesweite Verteilung noch für die Aufnahmebedingungen in den Schuldienst gibt es ein einheitliches Bild. Die Bedingungen für den Quereinstieg unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland erheblich. Während in Brandenburg und Sachsen-Anhalt zuletzt nahezu jede zweite Neueinstellung über den Seiteneinstieg lief, decken andere Regionen ihren Bedarf noch weitgehend mit traditionell ausgebildeten Kräften. Wer quer einsteigt, trifft also je nach Ort auf ganz unterschiedliche Regeln, Unterstützung und Qualifizierungswege.Â
Der Gewinn für die Schulen ist real. Quereinsteigende bringen mit, was dem System oft fehlt: frischen Praxisbezug aus Wirtschaft, Technik oder Wissenschaft, neue Perspektiven und die Bereitschaft, Schule weiterzudenken. Gerade in der Berufsbildung ist dieser direkte Draht in die Arbeitswelt ein echter Mehrwert für die Schülerinnen und Schüler.
Zugleich gibt es Herausforderungen – für beide Seiten. Wer ohne Lehramtsstudium startet, kennt unter Umständen Didaktik, Lehrplanlogik und Beurteilungssystematik anfangs kaum; Destatis-nahe Auswertungen halten fest, dass Seiteneinsteigende „meist mit wenig pädagogischen Kenntnissen an die Schule“ kommen. Kontinuität kann zur Herausforderung werden, wenn Einstieg und Qualifizierung parallel laufen. Das bestehende System muss Gelegenheit und Mittel haben, sich in Ruhe einzufinden – optimalerweise mit Mentoring, mit Zeit und mit Werkzeugen, die eventuell vorhandene Lücken schnell und verlässlich schließen.
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